Ikebana
Eine Blume in einer Vase ist ein Schmuck. Ein Ikebana ist eine Aussage über die Pflanze, aus der es gemacht ist.
Wie ich es verstehe
In einem Blumenstrauss geht die einzelne Pflanze unter. Je mehr Blüten, desto voller wirkt er, und keine der Blüten muss dafür etwas Bestimmtes können. Im Ikebana ist es umgekehrt: Je weniger Material, desto genauer muss jede einzelne Blüte sitzen.
Deshalb beginnt die Arbeit mit Schauen. Ein Zweig ist in eine Richtung gewachsen, weil dort Licht war. Ein Blatt ist auf einer Seite heller. Eine Blüte schaut irgendwo hin. Das alles ist schon da, bevor man etwas schneidet, und ein Arrangement, welches diese Eigenheiten aufgreift, wirkt anders als eines, das sie überformt.
Ikebana zeigt auch nicht nur das Blühen. Eine Knospe trägt ihre Zukunft in sich, ein verwelktes Blatt sein gelebtes Leben. Beides gehört dazu.
Ikenobō
Ikenobō ist die älteste Schule des Ikebana. Ihr Sitz ist der Rokkakudō in Kyōto, mit vollem Namen Shiunzan Chōhōji, ein Tempel, der nach der Überlieferung von Prinz Shōtoku gegründet wurde. Als erster Oberpriester wird Ono no Imoko genannt, ein japanischer Gesandter am Hof der chinesischen Sui-Dynastie. Seither versehen die Oberhäupter der Schule dieses Amt.
Der Name kommt von der Unterkunft der Priester neben dem Teich des Tempels: ike ist der Teich, bō die Unterkunft. Dort wohnten jene, die morgens und abends die Blumen für den Altar darbrachten. In der Muromachi-Zeit, zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhundert, entwickelte sich aus dieser Opfergabe eine Kunst für Innenräume. Ikenobō Sen'no begründete damals ihre Prinzipien. Um 1450 gründete Senkei Ikenobō am Rokkakudō die erste eigentliche Ikebana-Schule.
Heute wird sie in der 45. Generation von Ikenobō Sen'ei geleitet.
Die Stile
Tatehana
Die früheste Form, aus der alles andere hervorgegangen ist. Das Wort bedeutet aufrechte Form, von tateru für stehen und hana für Blumen. Tatehana ist die frühe Kunst der Blumenopfergabe vor den buddhistischen Gottheiten.

Rikka
Die zweitälteste der Formen, entstanden in der Muromachi-Zeit als Weiterentwicklung von Tatehana. Ein Rikka stellt keine einzelne Pflanze dar, sondern eine ganze Landschaft. Sein Aufbau ruht auf sieben oder neun Hauptlinien, den Yakueda.

Shōka
In der späten Edo-Zeit ausgeformt, mit höchstens drei Arten von Pflanzenmaterial. Ein Shōka legt den Fokus auf Natürlichkeit und den individuellen Charakter der verwendeten Pflanzen. Sein Aufbau ruht auf drei Hauptlinien mit den Namen Shin, Soe und Tai.
Besonders wichtig ist dabei der Mizugiwa, die Stelle, an der die Pflanzen das Wasser verlassen. Er soll schlank, sauber und gerade sein, damit alle Zweige aussehen, als kämen sie aus einer einzigen Wurzel.

Jiyūka
Die freie Form, ohne festgelegte Struktur und ohne Vorgabe zum Material. Hier sind gestalterische Absicht und Umsetzung von zentraler Bedeutung.

Shōfutai und Shimputai
Bei Rikka und Shōka gibt es je zwei Ausprägungen. Shōfutai folgt der traditionellen Form, Shimputai hat keine festgelegte Form. Beide wurden vom heutigen Oberhaupt Sen'ei Ikenobō eingeführt: Shōka Shimputai 1977 und Rikka Shimputai 1999.
Was ich unterrichte
Shōka und Jiyūka. Was das im Einzelnen heisst, steht auf der Unterrichtsseite.